Borga

Länge:
104 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
28.10.2021
Regie:
York-Fabian Raabe
Darsteller:
Eugene Boateng (Kojo), Adjetey Anang (Vater), Christiane Paul (Lina), Lydia Forson (Mutter), Joseph Otsiman (Nabil) u. a.
Genre:
Drama , Jugend , Großstadtfilm
Land:
Deutschland, Ghana, 2021

Darum geht es im Film „Borga“:


Der junge Kojo schuftet mit seinem älteren Bruder Kofi im Betrieb seines Vaters auf einer Elektroschrott-Müllhalde in Accra, der Hauptstadt von Ghana in Westafrika. Wie viele andere Jungs zerlegen sie defekte Elektrogeräte aus dem Westen, um wertvolle Metalle zu gewinnen. Dabei kommen sie mit vielen Giftstoffen in Kontakt. Eines Tages trifft Kojo einen Borga, der in Deutschland viel Geld verdient hat. Alle bewundern ihn. Kein Wunder, dass Kojo auch nach Europa will. Zehn Jahre später bricht er auf. Doch der Traum vom „Gelobten Land“ platzt schnell: In Mannheim muss er sich mit Aushilfsjobs durchschlagen. Damit er seiner Familie Geld schicken kann, schmuggelt er Drogen. Er verliebt sich in die ältere Deutsche Lina, doch die verlässt ihn, als sie erfährt, dass er einen gefälschten Pass hat. Kojo kehrt nach Accra zurück und streitet sich mit seinem Bruder. Der hat ihm nicht gesagt, dass ihr Vater gestorben ist.


Lohnt sich ein Blick in „Borga“ für mich?


Das Besondere an dem ersten langen Spielfilm des weißen deutschen Regisseurs York-Fabian Raabe ist, dass er konsequent aus der Perspektive seines schwarzen Protagonisten erzählt ist. Wir sehen also Afrika nicht – wie sonst so oft – als Kontinent von Hunger, Armut, Krankheiten und Kriegen, in dem Schwarze meist als „Opfer“ und Weiße „Retter“ dargestellt werden. Vielmehr sehen wir Kojo, einen sympathischen schwarzen Jungen beziehungsweise jungen Mann, der mit viel Mut im Ausland ein neues Leben für sich und seine Familie aufbauen will. Dabei macht er Fehler und erleidet Rückschläge, aber am Ende erkennt er, wie wichtig die Familie ist.

Der Regisseur hat lange in Ghana recherchiert und drehte dort mit vielen guten einheimischen Schauspieler*innen. Die Hauptrolle hat er dem Schauspieler und Tänzer Eugene Boateng anvertraut, der 1985 in Düsseldorf als Sohn ghanaischer Eltern geboren wurde. Er spielt den erwachsenen Kojo mit großer Energie und lässt uns verstehen, warum etliche Einwanderer*innen bereit sind, für ihren Erfolg notfalls kriminell zu werden.

Auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken war „Borga“ 2021 der Überflieger: Dort gewann das packende Migrationsdrama gleich vier Preise, darunter den Preis für den besten Spielfilm und den Publikumspreis Spielfilm. So etwas gibt es auf dem wichtigsten Forum des deutschsprachigen Nachwuchsfilms sehr selten. Die vielen Preise zeigen aber auch, wie stark der Film wirkt. Und wie glaubwürdig er von Sehnsüchten junger Afrikaner*innen erzählt.

Reinhard Kleber

Anbieter

FilmverleihAcross Nations