Border

Prädikat besonders wertvoll
Länge:
111 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
11.04.2019
Regie:
Ali Abbasi
Darsteller:
Eva Melander (Tina), Eero Milonoff (Vore), Jörgen Thorsson (Roland), Ann Petrén (Agneta), Sten Ljunggren (Tinas Vater)
Genre:
Drama , Fantasy , Love Story , Krimi
Land:
Schweden, Dänemark, 2018

Ein leichtes Zucken der Nasenflügel und ein kurzes Verziehen der Mundwinkel bringen Reisende gewaltig in Bedrängnis. Grenzbeamtin Tina mag seltsam deformiert aussehen, verfügt aber über eine höchst außergewöhnliche Gabe. Zielsicher kann sie erschnüffeln, wenn Menschen Angst haben, sich schämen oder unruhig sind. Da die Gefühlswelt ihres Gegenübers für sie kein Buch mit sieben Siegeln ist, greift sie regelmäßig all jene heraus, die unlautere Dinge im Schilde führen, und erleichtert ihren Kollegen damit ungemein die Arbeit. Ihr Geruchssinn spielt jedoch verrückt, als Tina auf den geheimnisvollen Vore trifft, bei dem nichts Verdächtiges gefunden wird. Je öfter sich die beiden begegnen, umso stärker fühlt sich die Zollkontrolleurin zu dem Fremden hingezogen, der ähnlich grobschlächtige Züge trägt. Mit wachsendem Unbehagen beobachtet Tinas schmarotzerhafter Mitbewohner Roland die Annäherung der beiden.

Basierend auf einer Kurzgeschichte des schwedischen Schriftstellers John Ajvide Lindqvist, der auch am Drehbuch mitschrieb, entblättert der im Iran geborene Filmemacher Ali Abbasi („Shelley“) eine seltsam faszinierende Erzählung über zwei Außenseiter, die in unterschiedliche Genre-Gefilde vordringt. Von skandinavischer Folklore inspirierte Fantasy-Anklänge finden sich ebenso wie Krimiversatzstücke, eine eigenwillige Romanze und ein Charakterdrama, das spannende Identitätsfragen umkreist. Aufgrund ihres grotesken Aussehens hätten die Protagonisten leicht wie Witzfiguren wirken können. Der Regisseur nimmt Tina und Vore allerdings ernst und fängt ihr Empfinden und ihre ungewöhnliche Beziehung auf erstaunlich sensible Weise ein. Lobend hervorheben muss man in diesem Zusammenhang zweifellos die starke Darbietung Eva Melanders, die trotz einer dicken Maske jede noch so kleine Regung vermitteln kann. Düster-bizarre und tragische Momente wechseln sich permanent mit absurd-komischen Augenblicken ab, was dem Geschehen auf der Leinwand einen rätselhaft-unberechenbaren Charakter verleiht. Tinas mit schmerzhaften Offenbarungen gepflasterter Weg zu einer neuen Selbsterkenntnis ist auch deshalb sehr ergiebig, weil „Border“ – seinem programmatischen Titel entsprechend – das Publikum immer wieder dazu einlädt, über Vorurteile, gesellschaftliche Zwänge, vermeintlich natürliche Grenzziehungen und die sexuelle Vielfalt nachzudenken.

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