Bohemian Rhapsody

Länge:
134 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 10 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 6 Jahren
Kinostart:
31.10.2018
Regie:
Bryan Singer, Dexter Fletcher
Darsteller:
Rami Malek, Gwilym Lee, Ben Hardy, Joe Mazzello, Aidan Gillen
Genre:
Musikfilm , Biopic , Drama
Land:
USA, 2018

Freddie Mercury war ein Mann, der ein Missgeschick zum Markenzeichen zu machen wusste: Brach der Mikroständer ab, verwandelte er ihn kurzerhand in eine wirbelnde Requisite. Er war ein Sänger, der die Missbildung seiner Zähne – vier zu viel hatte er davon im Mund – zur vollen Entfaltung seiner enormen Stimme nutzte. Er war ein Träumer, ein Tänzer, ein Trendsetter. Und als solcher ist er nun in dem Biopic „Bohemian Rhapsody“ zu bestaunen. Ein Film über die Bandgeschichte von Queen, mit klarem Fokus auf ihren Leadsänger Freddie Mercury.

„Bohemian Rhapsody“ beginnt in den frühen 1970er Jahren. Freddie Mercury heißt offiziell noch Farookh Bulsara und treibt sich als junger Mann eher am Rande der Bühne als im Rampenlicht herum. Er besucht das Konzert einer Band namens Smile – deren Frontsänger gleich im Anschluss an den Gig das Handtuch schmeißt. Sitzengelassen und niedergeschlagen hängen der Gitarrist Brian und der Drummer Roger am Tourbus herum, als Freddie aufkreuzt. Nicht ganz zufällig. Freddie hat Songtexte in der Hosentasche und eine Idee auf den Lippen: Er könne doch ihr neuer Leadsänger sein! Brian und Roger nehmen den merkwürdig gekleideten Fan mit seltsam hervorstehenden Zähnen nicht ernst – zumindest am Anfang. Doch sie geben Freddie eine Chance und sollen es nicht bereuen ... wenige Szenen später sind die Musiker gemeinsam auf Tour, bald zu viert, mit dem ruhigen Bassisten John. Auf die ersten Konzerte folgt eine steile Karriere und der internationale Durchbruch.

Die Bandgeschichte und Erfolge von Queen sind so dermaßen beeindruckend, dass ein Hollywoodfilm nur wie ein zusätzliches Steinchen in der Krone wirkt – so hochkarätig er auch besetzt sein möge, vor und hinter der Kamera. Produziert von Graham King („The Aviator“) und Jim Beach (dem Queen-Bandmanager höchstpersönlich), geschrieben von Anthony McCarten (The Theory of Everything) und inszeniert von Bryan Singer (X-Men: Apocalypse) – was sollte da schiefgehen? Nun, Bryan Singer wurde einige Wochen vor Drehschluss durch einen anderen Regisseur ersetzt, weil er an Drehtagen durch Abwesenheit glänzte. Doch ansonsten sollte nichts schiefgehen. Im Gegenteil: Sehr vieles ist gelungen! 
Bis in die Nebenrollen ist Queen mit charismatischen Schauspielern besetzt. Aus dem Ensemble sticht natürlich Rami Malek (bekannt aus der TV-Serie „Mr. Robot“) als extravaganter, energiegeladener Freddie Mercury hervor. Doch das ungewöhnliche Gleichgewicht in dieser durchweg kreativen Band findet auch auf der Leinwand ihre Entsprechung. Ob Gwilym Lee als Brian May, Ben Hardy als Roger Taylor oder Joe Mazzello als John Deacon – alle haben ihre Szenen, sodass am Ende kein Zweifel daran besteht, dass die Band Queen weit mehr ist Freddie Mercury. Allerdings ist die Band Queen auch weit mehr, als dieser zwar stark besetzte, aber zahm inszenierte Musikfilm. „Bohemian Rhapsody“ folgt der klassischen Dramaturgie eines Biopics – dafür wurde die komplexe Wirklichkeit schonmal auf überspitzte Szenen zurechtgestutzt. Das ist vollkommen legitim für Legenden, wie sie Queen als Band und Freddie als Mensch waren. In dem Buch „Freddie Mercury – Die Biografie“ bringt Musik-Journalistin Lesley-Ann Jones es durch die Berücksichtigung von allerlei Blickwinkeln sehr gut zum Ausdruck: Es gibt nicht die eine Geschichte von Queen. Es gibt zahlreiche Erzählungen, mal näher oder ferner an der Wirklichkeit dran. Der Film „Bohemian Rhapsody“ erzählt die Geschichte so, dass diverse altbekannte Anekdoten berücksichtigt und andere, kontroverse Politika ausgeklammert werden. Das Gesamtwerk ist wohlwollend – und so war es wohl gedacht. Ein würdiges Andenken an den mutigen, mitreißenden Freddie Mercury.

„Bohemian Rhapsody“ ist ein kurzweiliger, sehr unterhaltsamer Musikfilm, der Lust auf mehr macht. Wer danach also tiefer eintauchen möchte in die Geschichte von Queen, dem oder der sei die zweiteilige Dokumentation „Queen – Days of Our Lives“ (2011) empfohlen, in der – im Gegensatz zum aktuellen Kinofilm – auch der zweite Frühling der Band in den 80ern und 90ern sowie die letzten Jahre Freddie Mercury thematisiert werden.

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