Blue my mind

Länge:
97 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
01.11.2018
Regie:
Lisa Brühlmann
Darsteller:
Luna Wedler (Mia), Lou Haltinner (Nelly), Regula Grauwiller (Gabriela), Zoë Pastelle Holthuizen (Gianna), Yael Meier (Vivi), Dominik Locher (Lehrer), Martin Rapold (Vater von Gianna) u. a.
Genre:
Jugend , Fantasy
Land:
Schweiz, 2017

Gleich die erste Einstellung nimmt das Ende vorweg, aber genau weiß man das erst nach dem Film. Ansonsten läuft zunächst alles so oder ähnlich ab, wie es bei einem typischen Coming-of-Age-Film der Fall ist: Die 15-jährige Mia hat aufgrund eines Umzugs gerade erst die Schule gewechselt, muss sich gegenüber der Klasse positionieren und neue Freunde finden, liegt mit ihren viel zu sehr auf sich selbst fixierten Eltern im Dauerstreit. Der Stress ist vorprogrammiert und da sich Mia obendrein mitten in der Pubertät befindet, sind Gefühle der Unsicherheit und Orientierungslosigkeit, aber auch Reaktionen des Trotzes und der Abwehr im Grunde die normalste Sache der Welt. Für Mia allerdings nicht. Denn sie empfindet die unaufhaltsamen Veränderungen an ihrem Körper so extrem, dass sie ernste Zweifel bekommt, ob sie biologisch gesehen wirklich von ihren Eltern abstammt oder vielleicht adoptiert wurde. Denn kurz nach ihrer ersten Periode bilden sich Schwimmhäute zwischen den Fußzehen und an den Beinen seltsame Flecken, die unter keinen Umständen jemand sehen darf, zumal selbst die konsultierte Ärztin negativ darauf reagiert. So ist Mia ganz allein auf sich gestellt.

Mit ihrem ersten Langspielfilm legte die ausgebildete Schauspielerin und Regisseurin Lisa Brühlmann, die nebenberuflich auch als Theaterpädagogin arbeitet, einen Bilderbuchstart hin. Ausgezeichnet auf dem Filmfestival Zürich, erhielt der Autorenfilm auch gleich den Preis für die beste Regie auf dem Max Ophüls-Festival 2018. Und mit Luna Wedler in der Rolle von Mia, die ihr Können mittlerweile auch in Das schönste Mädchen der Welt unter Beweis stellte, gelingt es der Regisseurin nicht nur, die Pubertätsnöte und die innere Zerrissenheit einer 15-jährigen glaubwürdig in Szene zu setzen. Sie schafft zugleich mühelos den Spagat realitätsnahem Coming-of-Age-Drama und fantastischem Märchen, der dafür sorgt dass sich „Blue my Mind“ von Durchschnittsware abhebt. In der filmischen Umsetzung hat das seine Entsprechung gefunden. Sehr authentisch wirkende Szenen eines konfliktreichen jugendlichen Alltags, mit Handkamera und in vielen Großaufnahmen gedreht, wechseln mit albtraumhaften visionären Bildern ab, die von großem Einfühlungsvermögen zeugen und die Fantasie des Publikums beflügeln. Nur ganz selten ist der Film dann doch etwas plakativ geraten, insbesondere wenn der Heißhunger auf rohen Fisch vor einem Aquarium im Wohnzimmer der Eltern nicht Halt macht. Aber das ist schnell vergessen bei einem Film, der unter die Schwimmhaut geht.


 

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