Blinded By The Light

Länge:
0 Minuten (Blu-ray: 118 Minuten)
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
22.08.2019
Regie:
Gurinder Chadha
Darsteller:
Viveik Kalra (Javed), Aaron Phagura (Roops), Nell Williams (Eliza), Dean-Charles Chapman (Matt), Hayley Atwell (Mrs. Clay), Kulvinder Ghir (Vater)
Genre:
Musikfilm , Jugend , Tragikomödie
Land:
Großbritannien, 2019

Javed ist 16 Jahre alt und lebt mit seinen pakistanischen Eltern im Jahr 1987 in der tristen englischen Arbeiterstadt Luton. Sein bester Kumpel ist Matt, der ihn von Kindheitstagen an verteidigt hat. Denn Javed sieht nicht nur anders aus, er ist auch extrem schüchtern. Sein Vater regiert als dominantes Oberhaupt die Familie. Die beiden Schwestern sollen verheiratet werden, auch für Javed will der Vater eine pakistanische Braut suchen. Aber Javed hat ganz andere Träume. Er schreibt, seit er denken kann – Schriftsteller möchte er werden. Diese hochtrabenden Flausen will der Vater ihm unbedingt austreiben. Pakistanis haben hart zu arbeiten und ansonsten vor allem nicht aufzufallen. Gar nicht so leicht. Skinheads besprühen die Wände des kleinen Vororts mit Hassparolen, die Nachbarskinder pinkeln durch den Briefschlitz der Pakis. Es ist die Eiserne Ära von Margret Thatcher, Rezession, Arbeitslosigkeit, soziale Kälte, eine gespaltene Gesellschaft. Javed ist verträumt, aber zielstrebig. Er will es unbedingt ans College schaffen. Zum Glück hat er Unterstützung, da ist Mrs. Clay, seine Englischlehrerin, die bald sein Talent entdeckt und ein einsamer Nachbar, der gegen die Nazis gekämpft hat. Und dann ist da noch die freche Mitschülerin Eliza, politische Aktivistin, die Jarved heimlich liebt. Der coole Roops, auch Pakistani, drückt Javed eines Tages eine Kassette von Bruce Springsteen in die Hand. An einem besonders dunklen Tag, an dem Javed an allem verzweifelt, entdeckt er die Songs. Die Texte treffen mitten in sein Herz und machen ihm Mut, seine Träume zu verwirklichen. Doch es ist alles nicht so einfach. Es gibt Ärger mit Matt, der die Songs vom Boss altmodisch findet, und seit der Vater arbeitslos ist, lastet auf Javed noch mehr Druck.

Die indisch stämmige Regisseurin Gurinder Chadha, der 2002 mit Kick it like Backham ein Welterfolg gelang, zaubert mit dem Coming-of-Age-Film eine Menge 80er Jahre Zeitcolorit auf die Leinwand. Es ist eine Hommage an Bruce Springsteen, liebevoll von seinen Fans „the Boss“ genannt, und seine Arbeiterklassen Texte, die vor allem junge Männer auf der ganzen Welt ansprechen. Ob „everybody has a hungry heart“ oder „sometimes I feel so weak, I just want to explode“ - die Texte passen für den jungen Protagonisten in allen Lebenslagen und machen ihm Mut, seinen eigenen Weg zu finden. Der Film ist aber ebenso eine Hommage an die Jugendfilme der 80er Jahre von John Hughes, oder erinnert in seinen besten Momenten an „Ferris macht blau“. Javed springt mit Eliza und Roops durch die tristen Straßen von Luton, sie singen lauthals die Lieder vom „Boss“ und stecken die Leute auf dem Marktplatz mit ihrer Lebensfreude an. Bei aller Zeitreisen-Nostalgie trifft der Film aber auch ins Schwarze der heutigen Zeit, in der Nationalisten überall auf der Welt, aber auch in Großbritannien die Gesellschaft spalten. Die Geschichte basiert auf dem autobiografischen Roman des Journalisten Sarfraz Manzoor „Greetings from Bury Park“. Leider weist der unterhaltsame und berührende Jugendfilm einige Längen auf, vor allem wenn es am Ende etwas zu rührselig und kitschig wird, ganz in der Tradition der britischen Working Class Hero Komödien. Dafür gibt es einen erhellenden Einblick in das Leben von Einwanderern, ihre Konflikte zwischen Tradition und westlicher Gesellschaft; ihre Träume auf ein besseres Leben werden mit sorgfältig gezeichneten Nebenfiguren lebendig.

Anbieter