Berlin Bouncer

Länge:
87 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
11.04.2019
Regie:
David Dietl
Darsteller:
David Dietl, Frank Künster, Smiley Baldwin
Genre:
Dokumentation
Land:
Deutschland, 2019

Ein einziges Muskelpaket sind sie, Bodybuilding ist ihre Lieblingsbeschäftigung, sie bewachen mit gespreizten Beinen, verschränkten Armen, ernster, leicht aggressiver Miene die Eingänge von einschlägigen Nachtclubs und sie schlagen auch gern mal zu – die Türsteher, die Bouncer. So jedenfalls sieht das Klischeebild dieser Berufsgruppe aus. Dass dies nicht ganz so stimmt, beweist Regisseur David Dietl („König von Deutschland“, Rate Your Date) in seinem ersten langen Dokumentarfilm „Berlin Bouncer“. Darin porträtiert er auf eine bemerkenswerte sensible Weise drei dieser sperrigen, eigenwilligen Typen, die in der Berliner Clubszene zu Legenden geworden sind. Da ist Sven Marquardt, 1962 geboren, in Ostberlin schon als junger Punk kein Unbekannter in der Szene, erste Anfänge als Fotograf. Nach der Wende, als sich in der ziemlich „rechtsfreien Zone“ Ostberlins ein wildes Nachtleben entwickelte, Clubs in Kellern von Abrisshäusern, leerstehenden Fabriken oder privaten Wohnungen eröffnet wurden, war Sven Marquardt mittendrin. Später wurde seine bekannteste „Bewachungstür“ die vom Techno-Club Berghain, der seinen Sitz in einem ehemaligen Heizkraftwerk im Bezirk Friedrichshain hat. Sven Marquardt ist – schon allein von seinem Äußeren her ein Kunstwerk – der wohl charismatischste Typ von Dietls Protagonisten. Heute hat sich der inzwischen 57-Jährige international einen Namen als Fotograf gemacht, seine Fotos werden weltweit ausgestellt.

Bullig, hart im Nehmen und Geben – so wirkt der 50-jährige Frank Künster, der in den 1980er Jahren aus der westdeutschen Provinz nach West-Berlin kam und dann in den 1990er Jahren – wie die anderen Drei auch – in die Partynachtszene eintauchte und als Türsteher anheuerte. Lange Zeit machte er den Einlass bei der King Size Bar in Berlin-Mitte, leitete sie später sogar. Frank Künster nennt sich „Exzessbetreuer“ und reflektiert äußerst tiefgründig über seine Arbeit. Er weiß, dass er durch seine Entscheidung, wer durch die Tür darf und wer nicht, die Atmosphäre in der Bar mitbestimmt, er schildert ganz genau, welche Fähigkeiten ein guter Türsteher mitbringen muss, und kommt dabei zu überraschenden Schlüssen. Der Dritte im Bunde, Smiley Baldwin, kam als amerikanischer G.I. nach Berlin, um die Grenze zum Osten zu bewachen. Nachdem die Mauer gefallen war und sich damit sein Auftrag erledigt hatte, sattelte er um zum Türsteher. Heute hat er eine eigene Securityfirma, die teilweise auch für die Berlinale arbeitet.

Soweit das Biografische dieser Drei, die Dietl meist bei der Arbeit zeigt: Ihre Anspannung, aber auch ihren Spaß an der Tür, ihre Freude an der Macht, ihre Kommunikationsgabe, ihre erstaunliche Menschenkenntnis und ihr vergnügliches Machogehabe vor jungen Frauen und Mädchen. Das ist ihr Nachtleben, ihr großer Auftritt. Am Tag bringt das Sonnenlicht ihr gebrochenes Dasein zum Vorschein. Dietl versucht, auch diese Seite der drei Männer zu thematisieren. Zeigt Frank Künster in seiner Küche, bergeweise Nutella in sich hinein schlingend, zeigt die piefige Provinz, der der junge Frank entfliehen musste, zeigt aber auch die Einsamkeit und die Angst vorm Alleinsein, mit der der bei der Arbeit so souverän wirkende, redselige Türsteher fertig werden muss. Sven Marquardt wird an die Ostsee nach Warnemünde begleitet. Fragen nach seiner inneren Befindlichkeit durchschaut er und lässt Regisseur Dietl im Ungewissen. Und doch erleben wir auch hier ein völlig anderes Bild von dem berühmten Wächter des Berghains: ein Einzelgänger, der nur schwer mit seiner selbst gewählten Einsamkeit und dem Altwerden als homosexueller Mann zurechtkommt. Smiley Baldwin hat Sehnsucht, Sehnsucht nach seiner Heimat. Ob er in die USA zurückkehren wird, bleibt offen.

Türsteher – aggressive, selbstverliebte Machos? Weit gefehlt! Dietl macht mit diesem Vorurteil Schluss. Einfach dadurch, dass er seinen Protagonisten sehr nahe kommt, ihnen Raum gibt, sich zu zeigen, von sich zu erzählen, und ihnen trotzdem ihre Geheimnisse lässt.

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Anbieter

Anbieterangaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (15. Woche 2019).