Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

Länge:
114 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
02.09.2021
Regie:
Detlev Buck
Darsteller:
Sönke Niewöhner, Liv Lisa Fries, David Kross, Joachim Król, Maria Furtwängler, Christian Friedel, Désirée Nosbush, Annette Frier, Martin Wuttke, Dominique Horwitz, Nicholas Ofczarek
Genre:
Literaturverfilmung , Drama , Komödie
Land:
Deutschland, 2021

In seinem letzten, unvollendet gebliebenen Roman schlüpft der weltberühmte deutsche Schriftsteller Thomas Mann in die Rolle eines Hochstaplers, dessen Leben er aus der Ich-Perspektive des Erzählers rückblickend aufrollt. Die Verfilmung von Detlev Buck, der auch gemeinsam mit dem Schriftsteller Daniel Kehlmann das Drehbuch schrieb, nimmt die Ich-Perspektive und die Rückblendenstruktur des Romans teilweise auf.


Was dich in „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ erwartet:


Im Unterschied zu Thomas Manns Roman setzt die Haupthandlung des Films in einem Pariser Nobelhotel ein, in dem Felix Krull auf Empfehlung seines Paten Schimmelpreester als Liftboy zu arbeiten beginnt. So kann er die Verhaltensweisen und Attitüden des reichen Bürgertums ganz ungestört beobachten und für seine spätere Tätigkeit als Hochstapler „erlernen“. Mit der Reichengattin Madame Houplé geht er unter dem Motto Sex gegen Schmuck eine amouröse Beziehung ein. Den Schmuck kann er als Hehlerware immer besser verkaufen und erwirbt so ein bescheidenes Vermögen. Dies ermöglicht ihm, einen weitaus lukrativeren Plan umzusetzen: Gemeinsam mit der Lebedame Madame Zaza heckt er eine Intrige gegen den jungen Marquis de Venosta aus. Krull freundet sich mit Venosta an und erzählt ihm in einer weinseligen Nacht sein bisheriges Leben.

Durch seine Lebensbeichte gewinnt Krull schließlich das Vertrauen des Marquis Venosta. Dieser schlägt ihm vor, die Identitäten zu tauschen. Venosta hat sich unsterblich in Madame Zaza verliebt. Er möchte mit ihr in Paris bleiben, soll aber auf Geheiß seines Vaters eine einjährige Weltreise antreten. Krull stimmt dem Rollentausch zu. Sein, gemeinsam mit Zaza ausgeheckter Plan scheint aufzugehen. Auf Kosten von Venostas Vater geht er auf die Weltreise, während der Marquis in Paris bleibt und als Felix Krull seine Liebe mit Zaza auskosten will. Alsbald soll Zaza dem Marquis ihre Liebe aufkündigen und Krull folgen. Doch geht dieser Plan wirklich auf?

Kehlmann/Buck rollen die umfangreiche Handlung des Romans nicht komplett auf, sondern konzentrieren sich darauf, einige Stationen aus Krulls Leben episodenhaft zu erzählen. Gezeigt wird Krulls unbeschwerte Kindheit im Rheingau. Schon damals schlüpfte der junge Krull gerne in fremde Rollen oder imitierte Freunde und Bekannte zum allseitigen Spaß der Familie. Der Selbstmord seines Vaters, ein bankrotter Sektfabrikant, beendet Krulls frühe Leichtigkeit des Seins. Die ausführliche Romanepisode, in der Krull mit seiner Mutter in Frankfurt lebt, wird im Film übersprungen. Lediglich die legendäre Musterungsszene, in der Krull durch sein Verhalten dem Militärdienst entkommt, wird auch im Film, wenngleich etwas anders als im Roman, erzählt. Sie gibt Regisseur Buck zudem Anlass für einen amüsanten Schauspielerauftritt im eigenen Film.


Wieso sich ein Blick in „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ lohnt:


Ob eine Neuverfilmung des Krull-Romans fürs Kino überfällig ist, wie Produzent Markus Zimmer annimmt, mag einmal dahingestellt sein  – schließlich gibt es bereits viele gelungene und weniger gelungene Hochstaplergeschichten in der Kinogeschichte, angefangen bei der Erstverfilmung des Krull-Romans mit Horst Buchholz von 1957 bis hin zu den Verfilmungen der Ripley-Romane von Patricia Highsmith mit Schauspielstars wir Alain Delon („Nur die Sonne war Zeuge“, F/I 1960), Dennis Hopper („Der amerikanische Freund“, BRD/F 1977) Matt Damon („Der talentierte Mr. Ripley“, USA/I 1999) oder John Malkovich („Ripley’s Game“, USA/GB/I 2002).

Das künstlerische Unterfangen von Buck/Kehlmann, Manns umfangreichen Roman als aktuelle Kinounterhaltung neu aufzubereiten, darf aber durchaus als gelungen bezeichnet werden. Elegant bedienen sie sich in Dialog und Erzählerkommentar der kunstvollen Sprache Manns und erfinden seine Ironie für ihren Film neu. Durch die Rückblendenstruktur können sie Krulls Geschichte als kompakte Kinoerzählung präsentieren. Dies gelingt auch, weil sie die Romanfiguren der Madame Zaza und des Zimmermädchens Genoveva, Krulls erste Liebe, zu einer Filmfigur, zu Madame Zaza, zusammenziehen.

Die Filmemacher hoffen darauf, mit ihrer Verfilmung vor allem auch ein jüngeres Publikum zu erreichen. Mit angesagten Schauspielern wie Sönke Niewöhner und David Kross sowie „Babylon Berlin“- Star Liv Lisa Fries als Hauptbesetzung könnte dies funktionieren, wenngleich die Welt der „feinen Gesellschaft“ und ihrer Bediensteten in einem Pariser Luxushotel um 1900 vielen heute eher fern liegen dürfte.

Werner Barg

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FilmverleihWarner