Being Mario Götze

Prädikat wertvoll
Länge:
166 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 10 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 0 Jahren
Kinostart:
18.10.2018
Regie:
Aljoscha Pause
Darsteller:
-
Genre:
Dokumentation
Land:
Deutschland, 2018

Ein Fußballleben auf der Überholspur: Bereits als Jugendlicher wird er als Ausnahmetalent gehandelt, mit nur 17 Jahren führt er Borussia Dortmund zum Meistertitel. Tore, Titel, Meisterschalen – und dann ist mit 22 Jahren die Legende perfekt. Er schießt das Tor zum Weltmeistertitel und das ausgerechnet gegen Argentinien und den Weltfußballer Lionel Messi. Mit 22 Jahren hat Mario Götze alles erreicht, was ein Spitzensportler erreichen kann. Leben im Zeitraffer, wie er selbst es am Anfang des Films beschreibt. Und damit ist auch der Abgrund benannt, der sich in dem komentenhaften Aufstieg verbirgt. Es ist mental unmöglich in diesem Alter auf so einen Erfolg vorbereitet zu sein, und das auch noch unter dem Brennglas der Öffentlichkeit. Als Fußballweltstar gefeiert, folgt der Absturz: Offener Hass der Fans und Medienschelte bei seinem Wechsel zu Bayern München, schließlich eine lange Verletzungs- und Krankheitsphase. In den Medien wird er als emotionslos stigmatisiert, und immer, wirklich immer, wird das Siegtor in Rio als Meßlatte genommen, als würde der Spieler dahinter nicht existieren. Wie fühlt es sich an, Mario Götze zu sein? Dieser Frage geht das eindringliche Porträt des Ausnahme-Fußballers nach. Sieben Monate lang begleitet die Kamera den Sportler, viele prominente Weggefährten kommen zu Wort. Jürgen Klopp spricht ebenso liebevoll wie fachlich fundiert über seinen Zögling. Er berichtet auch vom Tiefschlag, als er von Götzes Wechsel nach Bayern erfuhr. Spieler wie Toni Kross, Marcel Schmelzer oder André Schürrle, aber auch der ältere Bruder Fabian Götze, gewähren Einblicke in den Menschen hinter dem Sportler. Götzes Arzt und Physiotherapeut liefert interessante Erkenntnisse über einen Körper, der bis zur Erschöpfung getrieben wurde und dann seinen Dienst verweigerte. Mario Götze selbst kommt ausführlich zu Wort, der Zuschauer lernt einen sensiblen, ernsthaften und sehr reflektierten Menschen kennen, dessen perfekt eingerichtete, aber völlig unpersönliche Hochglanz-Wohnung so wirkt, als wäre zum Leben keine Zeit. Und so ist es letztendlich auch, denn bei dem Fußballer kreist jeder Gedanke um seine Profession. Daraus entsteht der Eindruck einer fast schon tragischen Einsamkeit, vor allem im Misserfolg. Ein Eindruck, der auch durch die grundsympathischen und bodenständigen Äußerungen der Familienmitglieder nicht wett gemacht werden kann. Etliche Ausschnitte aus Spielen stricken beständig weiter an der Legende des Ausnahmetalents. Hier hätte eine Straffung dem Film sehr gut getan. 

Ursprünglich war das Projekt eine vierstündige Miniserie für den neuen Sport Streamingdienst DAZN. Für die Kinoversion musste der Sportjournalist und Dokumentarfilmemacher Aljoscha Pause verdichten, und das ist ihm leider nicht unbedingt gelungen. Zu wahllos scheinen die Zeitsprünge, die Spielausschnitte und Statements aneinander gereiht. Dabei ist das Material wirklich beachtlich, insbesondere die Interviewpassagen sind die große Stärke. Ohne sich in einfachen Anschuldigungen zu ergehen, zeigt das Porträt auch, wie Medien und öffentliche Meinung den menschlichen Faktor außer Acht lassen und was für weitreichende Folgen dies für den Menschen Mario Götze hat. Nicht zuletzt die Kommerzialisierung führt dazu, dass die Öffentlichkeit den Sportler in einer Bringschuld sieht und vollkommen vereinnahmt. Dieser universelle und menschliche Aspekt ist es auch, der den Film auch für nicht ausgewiesene Fußballsfans interessant macht. Die Nominierung des WM Kaders 2018 war von Beginn des Projekts als Schlusspunkt gedacht. Mario Götze wird nicht nominiert. Er ist 26 Jahre alt.

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Sprachen: Deutsch

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Anbieterangaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (48. Woche 2018).