Aufbruch zum Mond

Prädikat besonders wertvoll
Länge:
142 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
08.11.2018
Regie:
Damien Chazelle
Darsteller:
Ryan Gosling (Neil Amstrong), Claire Foy (Janet Armstrong), Lukas Haas (Mike Collins), Corey Stoll (Buzz Aldrin) u. a.
Genre:
Biopic , Historienfilm
Land:
USA, 2018

Steile Karriere, kurz zusammengefasst: Als Damien Chazelle sein Regie-Debüt ablieferte – einen schwarzweißen Musikfilm – da war er 24 Jahre alt. Sein Folgewerk – wieder ein Musikfilm, Whiplash – gewann 3 Oscars. Danach lieferte Chazelle einen Hit ab, der ihm gar zum jüngsten Regie-Oscar-Gewinner der Geschichte machte – erneut: ein Musikfilm, La La Land. Und jetzt: Ein Biopic im Weltall, ohne Tanzeinlagen und Musikperformance auf der Leinwand. Mit „Aufbruch zum Mond“ begibt sich Chazelle auf die Mission, ein neues Genre zu erkunden. Ein großer Schritt für ihn ...

Gleich zu Beginn des Films sitzt Neil Armstrong in einem Flugkörper, auf dem Weg durch die Stratosphäre. Wir sind ganz nah bei ihm in dieser Blechkapsel, werden mit ihm durchgeschüttelt, hören das Dröhnen, spüren die Angst und sehen, was er sieht: Die Erde von oben, aus dem Weltall. Doch er stürzt zurück gen Erde, der Mensch in seiner Maschine. Neil Armstrong gelingt es, das raketengetriebene Experimentalflugzeug X-15 sicher zu landen. Es ist 1961, noch 8 Jahre vor der Mond-Mission – und zunächst wird Armstrong als Testpilot nicht mehr in Erwägung gezogen. Man vermutet, der jüngste Zwischenfall könne mit mangelnder Konzentration zusammenhängen. Und wie könnte man es Armstrong verübeln? Die kleine Tochter von ihm und seiner Frau Janet leidet an einem Gehirntumor. Bald darauf stirbt das Kind. Aber statt sich in Zeiten der Trauer zurückzuziehen, bewirbt Armstrong sich für das Gemini-Programm der NASA.

... ein kleiner Schritt für Armstrong war diese Bewerbung bei dem bemannten Raumfahrtprogramm. Mit vielen solcher kleinen Schritte nähert sich der stille Mann der Mission, nachdem das Biopic in Deutschland benannt ist: „Aufbruch zum Mond“. In Amerika gab es im Vorfeld bereits Aufrufe, den Film zu boykottieren, weil er den Moment des Flagge-in-den-Mondboden-Steckens nicht zeige. Natürlich sind im Film etliche amerikanische Flaggen zu sehen, doch tatsächlich enthält „Aufbruch zum Mond“ angenehm wenig peinlichen Patriotismus. Gewiss geht es gemäß der historischen Begebenheiten ständig darum, die Sowjetunion in Sachen Raumfahrt zu schlagen. Der Film legt den Fokus allerdings deutlich auf Neil Armstrong und sein stilles Wesen. Dabei ist die Kamera oft ganz nah dran – und dennoch hält Armstrong (stoisch gespielt von Ryan Gosling) das Publikum wie seine Mitmenschen auf Distanz. Was geht in diesem Mann vor, der so wortkarg seine Trauer verborgen hält und so unaufgeregt seinen Weg geht?

Es bleibt ein Rätsel, selbst für seine Frau Janet (Claire Foy), der Regisseur Damien Chazelle in „Aufbruch zum Mond“ genug Raum gibt, um die Mission Familienzusammenhalt vom Gefühl her der Mondlandung fast gleichzusetzen – und das ist ohne Übertreibung gemeint. Denn am Ende fragt man sich, dank einer unaufgeregten Inszenierung mit vergleichsweise wenig Pathos, ob es all das wert war? Hat es sich gelohnt, den Mond zu betreten? Dass Chazelle uns mit diesem Zwiespalt zurücklässt, ist eine starke Leistung. Und nicht nur seine, wohlgemerkt. Das Drehbuch von Nicole Perlman und Josh Singer trifft den richtigen Ton, die Kameraarbeit von Linus Sandgren fängt die innere und äußere Beklemmung ein. Zuweilen ist die Kamera arg wacklig und allzu nah dran – das kann man als störend empfinden, oder als eine konsequente Inszenierung. In jedem Fall ist Damien Chazelles Mission gelungen. Mithilfe eines fähigen Teams hat er sich vom Planeten Musikfilm entfernt und Neuland betreten. Man darf gespannt sein, wohin die nächste Reise geht.

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