Assassination Nation

Länge:
110 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
15.11.2018
Regie:
Sam Levinson
Darsteller:
Odessa Young (Lilly), Suki Waterhouse (Sarah), Hari Nef (Bex), Abra (Em), Bella Thorne (Reagan), Bill Skarsgård (Mark), Maude Apatow (Grace), Joel McHale (Nick) u. a.
Genre:
Drama , Thriller , Action
Land:
USA, 2018

Was passiert mit einer beschaulichen Kleinstadt, wenn plötzlich alle dunklen Geheimnisse der Bewohner zutage gefördert werden? Mit „Assassination Nation“ hat Regisseur Sam Levinson (Another Happy Day) den Versuch gestartet – doch nicht als Sozialstudie, sondern vielmehr als gewagte Mischung aus Drama, Thriller und hochtrabendem Action-Film. Mit einer ordentlichen Ladung Female Empowerment.

Es ist das ganz normale College-Leben, das Lilly und ihre Freundinnen in ihrer Heimatstadt Salem führen – jedenfalls so normal das eben im abgewrackten Sozialmilieu des digitalen Zeitalters möglich ist: verkorkste Beziehungen, wilde Partys, erotische Chat-Gespräche mit wesentlich älteren Typen und jede Menge Tratsch zum Alltagsgeschehen in der Kleinstadthierarchie. Besonders letzterer kommt richtig in Fahrt, als durch einen Hack plötzlich Fotos des erzkonservativen Bürgermeisters in aufreizender Frauenkleidung durch die sozialen Netzwerke düsen. Die Empörungswelle endet erst mit dem Selbstmord während seiner öffentlichen Stellungnahme. Man sollte meinen, damit genug Aufregung für die nächsten Jahre in der eigentlich so friedvollen Gegend, doch dann werden weitere Personen gehackt. Was bei anderen noch toller Gesprächsstoff war, wird schnell zur existenzbedrohenden Katastrophe für jeden Einzelnen. Schließlich hat nahezu jeder hier seine dunklen Geheimnisse. Die Lage eskaliert und ehe sie sich recht versehen, stehen Lilly und ihre Freundinnen im Zentrum einer grausamen Hexenjagd. Also wird es dringend Zeit, sich dem Mob mit harten Bandagen entgegenzustellen.

Zuallererst: Auch wenn die Story Missstände aufs Korn nimmt und den nicht bloß unterschwelligen Schrei nach längst fälligen Veränderungen in sich trägt, ist „Assassination Nation“ alles andere als feingeistiger Ausdruck einer gesellschaftlichen Revolution. Der Film kokettiert vielmehr mit seiner Grenzüberschreitung – das wird direkt zu Anfang deutlich mit einem wahren Hagel an Triggerwarnungen: Gewalt, Sexismus, schwache Männeregos und vieles mehr. Levinson nutzt den noch trägen Umbruch unserer Zeit, um seinen eigenen kleinen filmischen Exzess darauf zu veranstalten. Was aber auch nicht schlimm ist. Denn zum einen reißt das Chaos tatsächlich auf schockierend-schöne Weise mit. Und zum anderen veranschaulicht „Assassination Nation“ sehr eindrucksvoll, wozu Menschen in der Lage sind, wenn sie sich in ihrer Stellung bedroht fühlen. Damit setzt der Film ein klares Zeichen gegen Slut-Shaming und Hass jeglicher Art. Vielleicht etwas sehr auf die Spitze getrieben und die harte und konfrontative Art muss man sicher nicht mögen. Aber wenn das nicht schreckt, ist „Assassination Nation“ durchaus sehenswert.

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