After Passion

Länge:
90 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 0 Jahren
Kinostart:
11.04.2019
Regie:
Jenny Gage
Darsteller:
Josephine Langford (Tessa), Selma Blair (Carol ), Khadija Red Thunder (Steph), Hero Fiennes Tiffin
Genre:
Love Story
Land:
USA, 2019

Wir leben in einer Zeit, da eine App wie Wattpad ihr eigenes Produktionsstudio aufmacht, um von User*innen „generierte“ Geschichten zu verfilmen. Als ein Produkt dieser alte Strukturen einreißenden Gegenwart ist die neue Teenie-Romanze „After Passion“ erstaunlich traditionell erzählte Genre-Kost.

Tessa ist eine Tochter, von der man nur träumen kann: intelligent, pflichtbewusst, umgänglich. Kein Wunder, dass es ihrer alleinerziehenden Mutter Carol ein bisschen das Herz bricht, sie gehen zu sehen. Denn Tessa beginnt ihr erstes Studienjahr an der Uni – und macht dort prompt Bekanntschaft mit ihrer neuen Mitbewohnerin Steph, die als knapp bekleidetes Mädel mit Marihuana-Fahne das krasse Gegenteil der Vorzeige-Tochter ist. Deren Freundeskreis ist voller cooler Typen, von denen einer besonders hervorsticht: der mysteriöse Hardin Scott (Hero Fiennes Tiffin). Obwohl Tessa in der Heimat noch einen festen Freund hat (mit dem sie schon gemeinsam im Sandkasten saß), bringt Hardin ihre Gefühlswelt ordentlich durcheinander. Eine nicht unwesentliche Rolle spielt dabei ihre gemeinsame Begeisterung für Bücher ...

Hach, irgendwie schön. Einer dieser Filme, über den Ü30-Jährige zwar seufzen mögen, sowas hätten sie ja schon zig Mal gesehen – aber genau das ist auch das Schöne daran. Bereits im ältesten Roman der Weltliteratur schrieb die Autorin Murasaki ums Jahr 1000 rum über die Liebesabenteuer eines hoffnungslosen Romantikers, inspiriert vom Hofleben und auf Papierrollen. Vorgespult ins Jahr 2013 schrieb eine junge Autorin ebenfalls Liebesabenteuer, inspiriert von einer Boyband und via Smartphone. Anna Todd (*1989) veröffentlichte besagte Abenteuer in der App Wattpad – wo ihre Geschichten bis dato insgesamt sagenhafte 1,5 Milliarden (!) mal abgerufen wurden. Gar kein Wunder also, dass mit „After Passion“ nun die Verfilmung von Todds Geschichten begonnen hat. Das Drehbuch für die Adaption schrieben Susan McMartin, Tamara Chestna und Jenny Gage, die auch als Regisseurin verantwortlich zeichnet.

Der Auftakt ist gelungen. „After Passion“ erfindet das Rad nicht neu, ist aber als das, was er sein will – ein Liebesfilm für ein eher junges und eher weibliches Publikum im Jahr 2019 – eine runde, schöne Sache. Schön natürlich auch visuell: Das Ensemble ist zwar vorbildlich divers besetzt, in einer Hinsicht jedoch ziemlich homogen, nämlich durch die Bank bildhübsch. Dazu kommen eine gelungene Farbgebung und Lichtsetzung, voilà, fertig ist der Augenschmaus. Doch auch auf der Dialog-Ebene weiß das Werk zuweilen zu überzeugen. In den besten Szenen zoffen sich die jungen Liebenden über urige Liebesschinken („Zu Gatsby, ich will ja nicht spoilern: Es war alles nur ein Traum“ – „Eigentlich war alles eine Lüge.“), wobei man halt hinnehmen muss, das die Literatur-Streitigkeiten von Teenagern in sich etwas wirklichkeitsfern wirken. Was die konventionelle Dramaturgie, austauschbare Genre-Bausteine und allzu bekannte Stereotypen angeht, kann man „After Passion“ nur einen gekonnten Umgang damit quittieren. Einfach gut gemachtes Herzschmerz-Kino für Zuschauer*innen, die noch nicht zu viel aus der Schublade gesehen haben.


 

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