Acid

Länge:
98 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
08.08.2019
Regie:
Alexander Gorchilin
Darsteller:
Alexander Alexandrowitsch Kusnezow (Petya), Philipp Avdeev (Sasha), Alexandra Rebenok (Sashas Mutter), Pyotr Skvortsov (Ivan), Anastasiya Evgrafova (Lybochka), Evgeniya Sheveleva (Mädchen im Workshop), Sofya Sinitsyna (Vikulya) u. a.
Genre:
Drama , Jugend
Land:
Russland, 2019

1986, als Lettland noch zu den sozialistischen Sowjetrepubliken zählte, war der Dokumentarfilm „Ist es leicht, jung zu sein?“ von Juris Podnieks einer der wichtigsten Filme der Perestrojka, der das Aufbegehren der damaligen Jugend gegen verkrustete Strukturen hautnah und unzensiert auf die Leinwand brachte. Gut 30 Jahre später zeichnet der russische Schauspieler Alexander Gorchilin in seinem Debütspielfilm „Acid“ ein völlig anderes Bild der heutigen Jugend zwischen wilden Partys und Drogenkonsum. Es ist ein im wörtlichen Sinn ätzendes und zugleich erschreckendes Bild voller Verzweiflung, Stagnation und Destruktivität, selbst wenn man sich davor hüten sollte, hier gleich zu verallgemeinern.

Vollkommen orientierungslos treiben die drei etwa 20 Jahre alten Protagonisten Sasha, Vanya und Petya, die seit ihrer Kindheit miteinander befreundet sind, vor sich hin. Ohne große finanzielle Sorgen leben sie von einem Tag in den nächsten, wissen mit ihrem Leben nur wenig anzufangen und finden in der eigenen Familie kaum Unterstützung. Wie auch, wenn die Eltern und insbesondere die Väter ständig abwesend sind, ausschließlich ihre eigenen Interessen verfolgen, sich um ihre Karriere gekümmert haben und nicht um ihre Kinder. Nach dem bewusst in Kauf genommenen Selbstmord von Vanya, der im Drogenrausch vom Balkon gesprungen ist, droht die Freundschaft der beiden anderen zu zerbrechen. Gleich nach der Beerdigung feiern sie mit Sashas Freundin Karina im Club ab und lernen dort den Künstler Vasilisk kennen, der alte Büsten von russischen Volkshelden in Säure taucht und die zerstörten Skulpturen als neue Kunst verkauft. Nachdem Petya von dieser Säure einen Schluck probiert hat, landet er im Krankenhaus. Als er wieder sprechen kann, versucht er seinen Frust auf andere Weise loszuwerden, was auch andere Menschen in Gefahr bringt.

Die filmisch radikal und konsequent umgesetzte Zustandsbeschreibung einer verlorenen Generation und einer nachfolgenden in den Startlöchern mit ganz anderen Erwartungshaltungen und Überlebensstrategien hat sowohl in Russland selbst als auch im Ausland mehrere Preise gewonnen, darunter den Hauptpreis beim goEast-Festival 2019 in Wiesbaden. Auf dem gleichen Festival liefen andere Filme mit einer ähnlichen Thematik, die im Vergleich zu „Acid“ gerade in der Zeichnung der „verlorenen“ Generation allerdings differenzierter und auch dramaturgisch ausgereifter wirkten. Jeder Film steht natürlich erst einmal für sich selbst. Schockierend, radikal und zugleich aufschlussreich ist „Acid“ allemal, überzeugend gespielt, mit vielen Bildern, die im Gedächtnis haften bleiben. Dennoch bleibt ein unbefriedigendes Gefühl zurück, vielleicht auch, weil die Geschichte allzu konstruiert wirkt und die Charaktere einem weitgehend verschlossen bleiben.




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