A Pure Place

Länge:
91 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
25.11.2021
Regie:
Nikias Chryssos
Darsteller:
Greta Bohacek (Irina), Claude Heinrich (Paul), Sam Louwyck (Fust), Daniel Sträßer (Siegfried), Daniel Fripan (Albrich) u. a.
Genre:
Drama
Land:
Deutschland, 2021

Worum es im Film „A Pure Place“ geht:


Auf einer abgelegenen griechischen Insel schart der stets in weiße Anzüge gekleidete Fust eine kleine Gemeinschaft um sich, die nur ein Ziel kennt: absolute Reinheit. Der schöne Schein trügt allerdings gewaltig. Denn während das Sektenoberhaupt und seine engsten Vertrauten in einer schmucken Villa ein angenehmes Leben führen, müssen einige Kinder in einem finster-verdreckten Kellersystem für „die da oben“ schuften. Tagein, tagaus stellen die Geschwister Irina und Paul zusammen mit anderen Leidensgenoss*innen eine besondere Seife her, die auf dem Festland verkauft wird. Als Fust die Heranwachsende Irina ins Auge sticht und sie in seinen inneren Kreis aufnimmt, gerät die Ordnung der straff organisierten Gruppierung plötzlich durcheinander. Der zu den Auserwählten gehörende Siegfried fällt aus seiner Rolle. Und Paul beginnt langsam, gegen das ausbeuterische Regime zu rebellieren. Fust ist dennoch fest entschlossen, seine Schäfchen in das von ihm angepriesene Sehnsuchtsreich Elysion zu führen.


Kann „A Pure Place“ überzeugen?


Gleich mit seinem Kinodebüt „Der Bunker“ (2015) brachte sich Nikias Chryssos als eigenwilliger Regisseur und Drehbuchautor in Stellung. Ein Eindruck, den er mit seiner zweiten Arbeit festigt. „A Pure Place“ spielt zwar auf einer von viel Luft und Wasser umgebenen Insel im Mittelmeer, erzeugt aber eine ähnlich bedrückende Stimmung wie der Film um einen Studenten, der sich bei einer höchst merkwürdigen Familie in einer Wohnung unter der Erde einmietet. Spannend ist das Sektendrama nicht so sehr wegen seiner mit Symbolen und mythologischen Bezügen gespickten, das Publikum auf Distanz haltenden Geschichte, die sich in groben Zügen vorausahnen lässt. Interesse weckt vielmehr die Art, wie Chryssos Fusts Verführungs- und Unterdrückungssystem darstellt. Durch den Einsatz von Zeitlupen, mithilfe einer bedrohlich dröhnenden Musikuntermalung und dank geschickter Verfremdungseffekte wie einer oft seltsam gestelzt wirkenden Sprache macht sich schnell eine entrückt-märchenhafte Stimmung breit. Sam Louwycks Darbietung als selbstverliebter Guru und scheinbar über den Dingen schwebender Blender trägt ebenfalls zur irritierend-unheilvollen Aura bei. Was in diesem Zusammenhang jedoch problematisch ist: Leider wollen sich der Regisseur und sein Mitautor Lars Henning Jung nicht entscheiden, wessen Perspektive den Film denn nun bestimmen soll. An Paul und Irina dranzubleiben, wäre sicher spannend gewesen. Aber Fusts raumgreifende Auftritte drängen die an Hänsel und Gretel angelehnten Geschwister wiederholt aus dem Blickfeld. Mit etwas mehr Fokussierung hätte „A Pure Place“ die Zuschauer*innen wahrscheinlich emotional stärker gepackt.

Christopher Diekhaus

Anbieter

FilmverleihKoch Films