A Black Jesus

Länge:
92 Minuten (Blu-ray: 96 Minuten)
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 0 Jahren
Kinostart:
20.05.2021
Regie:
Luca Lucchesi
Darsteller:
/
Genre:
Dokumentation
Land:
Deutschland, Italien, 2020

„Sie lieben ein schwarzes Stück Holz. Aber sie lieben keine Schwarzen aus Fleisch und Blut.‟ Betrübt fasst der junge Geflüchtete zusammen, was er erlebt hat, seitdem er in Siculiana angekommen ist. In der streng religiösen Gemeinschaft der sizilianischen Kleinstadt verehrt man seit Jahrhunderten eine schwarze Jesusfigur, die jedes Jahr am 3. Mai in einer feierlichen Prozession von mehreren Männern durch die Straßen getragen wird. Den schwarzen Neuankömmlingen aus Afrika jedoch, die in einer  Auffanglager leben, begegnen viele mit Skepsis. Der 19-jährige Edward aus Ghana will die Vorurteile aufbrechen. Der schwarze Jesus ist für ihn eine besondere Figur. Im kommenden Jahr will auch er mit zwei Freunden an der Prozession teilnehmen und sie tragen.

Wenn die Drohnenkamera zu Beginn von „A Black Jesus‟ elegant durch die engen Gassen von Siculiana schwebt kann man kaum glauben, dass man sich in einem Dokumentarfilm befindet. Ruhig und gelassen führt der Regisseur Luca Lucchesi, dessen Vater aus Siculiana stammt, in seinen Film ein. Und ebenso ruhig und gelassen beobachtet und porträtiert er die Menschen dort – obwohl es doch allen Grund gäbe, einmal die Fassung zu verlieren. Rassismus und Vorurteile prägen das Zusammenleben der Menschen, nicht zuletzt befeuert durch die italienische Politik, die sich überhaupt nicht darum bemüht, den Geflüchteten einen Neuanfang zu ermöglichen und einen Dialog zwischen den Einheimischen und den Geflüchteten entstehen zu lassen. Nun liegt es an den Geflüchteten selbst, den ersten Schritt zu machen.

Lucchesi schaut auf niemanden herab und zeigt alle Seiten. Sie habe Angst vor „den Fremden‟ und gehe ihnen deshalb aus dem Weg, erzählt eine ältere Frau. Eine Freundin wiederum bemerkt sachlich, wenn sie einen Geflüchteten treffe, dann sage sie „Guten Tag‟. In solchen beiläufigen Szenen zeigt der Dokumentarfilm sehr gut, wie unterschiedlich die Menschen mit der Situation umgehen, ob sie die Geflüchteten willkommen heißen, sie unterstützen wollen, sie fürchten, sie loswerden wollen. Schade ist ein wenig, dass die Geschichten der Geflüchteten kaum vertieft werden. Stattdessen rückt ein engagierter Lehrer in den Mittelpunkt, der sich ohne Rückhalt für die Ausbildung der Geflüchteten einsetzt und sie ermutigt – und der es schwer hat, gegen die tief verankerten Vorurteile der Bevölkerung anzukommen.

Dank der genauen Beobachtungen und gut gewählten Aussagen bietet „A Black Jesus‟ am Ende einigen Stoff zum Nachdenken. Einen wichtigen Beitrag dazu liefern aber auch die Bilder, die wichtige Eckpunkte des Lebens in Siculiana einfangen. Hoch über der Stadt thront die Kirche, die für viele Einheimische ein wichtiger Ort ist. Und gleich dahinter ist das Meer zu sehen, über das die Geflüchteten in kleinen Booten nach Sizilien gekommen sind und dafür ihr Leben riskiert haben.

Stefan Stiletto

Streaming-Anbieter