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04.06.2018 - „13 Uhr mittags“ – Schräger Fernsehkrimi aus dem Münsterland von den Zwillingen Martina und Monika Plura

Ihre ersten Filmerfolge feierten die Plura-Zwillinge vor Jahren beim vom Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrum (KJF) jährlich veranstalteten Deutschen Generationenfilmpreis. Und wie bei ihrem Kollegen Axel Ranisch, der beim Fernseh-„Tatort“ für neue Impulse sorgte, spielte die eigene Großmutter als Darstellerin der damals preisgekrönten Filme eine wesentliche Rolle. Später studierten die Geschwister unabhängig voneinander: Martina das Fach Regie, Monika wurde Kamerafrau. Filme drehten oder entwickelten sie aber weiterhin zusammen. Ihr neuestes gemeinsames Werk als Regisseurin beziehungsweise hinter der Kamera wurde Ende Mai in der ARD zur Primetime ausgestrahlt.

Wie der Titel „13 Uhr mittags“ schon ahnen lässt, nimmt der Krimi um den norddeutschen Dorfpolizisten Olaf Gabriel nach dem Drehbuch von Klaus Burck deutliche Anleihen an dem berühmten Western „12 Uhr mittags“ (High Noon) von Fred Zinnemann aus dem Jahr 1952. Hier wie dort wird die Hauptfigur von der Vergangenheit eingeholt und gezwungen, sich einer auf Rache sinnenden Verbrecherbande zu stellen, wobei die Ankunfts- bzw. Abfahrtszeit eines Zuges den entscheidenden Dreh- und Ankerpunkt liefert. Im Krimi hat Dorfpolizist Gabriel aus dem Kaff Hedly vor Jahren den Bankräuber Simon Held hinter Gitter gebracht. Dabei kam Helds Bruder ums Leben und die Beute blieb verschwunden. Am gleichen Tag, an dem Held aus dem Gefängnis entlassen wird und sich mit seinen ehemaligen Komplizen auf den Weg nach Hedly macht, möchte Gabriel dem Ort für immer den Rücken kehren. Die norddeutsche Provinz ist freilich nicht der Wilde Westen, wo die schwarzweiße Unterscheidung von Gut und Böse noch funktionierte, und auch sonst läuft alles etwas anders ab, als im großen Filmvorbild. Gerade das macht den besonderen Reiz dieser erfrischend anders erzählten skurrilen Geschichte aus, die optisch und inszenatorisch nichts zu wünschen übrig lässt und insbesondere in der Charakterzeichnung der Figuren zahlreiche Überraschungen bereithält. So wird Gabriel samt seinem frisch operierten Hund an der fluchtartigen Abreise durch das Eintreffen einer LKA-Beamtin gehindert, die den Fall neu aufrollen soll. Sie verdächtigt Gabriel gar, vom Bankraub persönlich profitiert zu haben und – so viel sei vor der Zweitausstrahlung verraten – wird ihre Ermittlungen nicht zu Ende führen können. Stattdessen taucht eine andere Frauenfigur auf, die dem Klassiker-Vorbild deutlich näher kommt. Ein Blick in die ARD-Mediathek lohnt sich auf jeden Fall!

Regie: Martina Plura
Kamera: Monika Plura
Darsteller: Jörg Schüttauf (Olaf Gabriel), Rosalie Thomass (Gracia Keller), Thomas Arnold (Simon Held), Milton Welsh (Werner Eck), Rainer Piwek (Arne Herbst), Katharina Behrens (Julia Böhm), Peter Franke (Hinnerk Böhm), Björn Grundies (Bernd Peters), Arnel Taci (Mehmet Cyakan) u. a.
Länge: 85 Min.
Land: Deutschland 2017
Erstausstrahlung: ARD 30.05.2018
Altersempfehlung: Ab 12 Jahren

Der Film ist bis zum 14.07.2018 in der ARD-Mediathek verfügbar.



Holger Twele, Juni 2018