Zündschnüre

Film: Zündschnüre
Länge:
103 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Regie:
Reinhard Hauff
Darsteller:
Michael Olbrich, Kurt Funk, Bettina Porsch, Thomas Visser, Hans Beerhenke u. a.
Genre:
Kinder , (Anti-)Kriegsfilm , Literaturverfilmung , Klassiker
Land:
Deutschland, 1974
Der 2011 verstorbene Liedermacher und Rechtsanwalt Franz Josef Degenhardt, der zu einem Aushängeschild der 68er-Bewegung wurde, schrieb 1973 seinen ersten Roman. „Zündschnüre“ wurde bis heute über 100.000 Mal verkauft. Dreißig Jahre vor Veröffentlichung, im Jahr 1943, war Degenhardt, der in Schwelm am Rande des Ruhrgebiets aufwuchs, genauso alt wie seine etwa 12-jährigen Romanhelden aus dieser Gegend, die Arbeiterkinder Fänä, Viehmann, Zünder und das Mädchen Sugga. Ihre Väter sind überzeugte Kommunisten und Sozialdemokraten, die entweder an der Front kämpfen oder wegen ihres politischen Widerstands in Lager gesteckt wurden. Nicht anders als ihre Väter verhalten sich die Kinder unter Billigung der Mütter und der meist älteren oder gesundheitlich angeschlagenen Bewohner des Viertels. Mit größter Selbstverständlichkeit und Versiertheit gehen die Kinder, aus deren Perspektive der Film erzählt ist, wo immer möglich gegen den braunen Terror vor, zahlen es auf geniale Weise dem Jungführer der Hitlerjugend heim, rauben aber auch mal einen Güterwaggon aus und sprengen ihn in die Luft, verbreiten in großem Stil „wehrkraftzersetzende“ Flugblätter und verstecken ebenfalls unter Lebensgefahr einen abgeschossenen britischen Bomberpiloten und eine Jüdin. In dem Arbeiterviertel, in dem fast alle Erwachsenen zusammen mit russischen Kriegsgefangenen in einer zur Kriegsproduktion umgebauten Kanisterfabrik arbeiten, herrscht große Solidarität. Daher gelingt es der Geheimpolizei trotz mehrerer Verhaftungen und Folter nicht, den Widerstand zu brechen. Roman und Film enden schließlich mit dem Einmarsch der Amerikaner.

Eberhardt Hauff hat den Roman 1974 für den WDR nach einem Drehbuch von Degenhardt und Burkhard Driest verfilmt – lange vor den ersten deutschen Kinderfilmen, die sich mit dieser dunklen Vergangenheit auseinandersetzten, in strengem Schwarzweiß und in dem alten Bildformat 1:37, das heute nur noch wenige Filmkunstkinos vorführen können. Für ein heutiges junges Publikum ist diese Fassung sicher gewöhnungsbedürftig. Aber die Mühe lohnt sich. Schon die damalige Filmkritik bescheinigte dem Film, der übrigens in seiner Machart als eine künstlerische und ideologische Antwort der 68er-Generation auf den erfolgreichen NS-Propagandafilm „Hitlerjunge Quex“ von 1933 gesehen werden kann, er sei noch besser und eindringlicher als die Romanvorlage geworden. Umso mehr erstaunt es, dass er fast in Vergessenheit geraten ist, denn spätestens seit „Sophie Scholl“ und „Edelweißpiraten“ ist Widerstand gegen den Nationalsozialismus filmisch wieder stärker präsent.

DVD-Bildformat: 1:1,33; 4:3
Ton: Dolby Digital 2.0
Sprachen: Deutsch

Holger Twele

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Anbieter

Kauf-DVDPidax Film

Anbieterangaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (35. Woche 2012).