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04.02.2021 - Was die Zukunft bringen mag

Das Genre des Science-Fiction-Films

Der Mensch ist ein grübelndes Wesen und hat sich schon immer mit Fragen nach der Zukunft befasst: Was wird morgen sein? In einem Jahr? In hundert Jahren? Wie wird sich die Welt verändern? Berühmt für seinen Blick ins Ungewisse wurde etwa der 1503 geborene Mediziner und Astrologe Nostradamus, dessen rätselhafte prophetische Gedichte noch heute gerne zitiert werden. Welche technischen Entwicklungen ihren Durchbruch feiern und wie kommende Gesellschaften aussehen könnten, erforschten auch wissbegierige Romanautoren und legten im 19. Jahrhundert den Grundstein für das, was wir unter dem Begriff „Science-Fiction“ verstehen.

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„Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ von Mary Shelley und die schillernden Abenteuergeschichten eines Jules Verne prägten das literarische Genre in besonderem Maße und dienten dem Kino ab Anfang des 20. Jahrhundert als Inspiration. Nicht umsonst wurde Shelleys Erzählung über die Erschaffung eines künstlichen Menschen unzählige Male für die große Leinwand adaptiert. Bereits in der Frühzeit des vor rund 125 Jahren erfundenen Filmmediums zeigte sich die Begeisterung für futuristische Geschichten, für Expeditionen in unerforschte Welten. Der französische Zauberkünstler und Kinopionier Georges Méliès legte mit „Die Reise zum Mond“ (1902) einen der ersten Science-Fiction-Filme vor und verwendete darin für die damaligen Verhältnisse staunenswerte Spezialeffekte.

Zu den Klassikern des Genres gehört Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ (1968). Ein Film, der als leuchtendes Vorbild einer philosophischen Science-Fiction-Richtung gilt. Auf Handlungsebene passiert recht wenig. Und doch schlägt der Regisseur einen Bogen vom Anfang der Menschheit zu einer Jahrtausende später stattfindenden Mission im All, die um einen seltsamen, offenbar außerirdischen Gesteinsblock kreist. Kubrick fragt nach der Existenz anderer Lebewesen im Universum und beleuchtet anhand des intelligenten Bordcomputers HAL 9000 die Tücken der Technik. Mit seinen imposanten, von majestätischer Musik begleiteten Bildern ist „2001: Odyssee im Weltraum“ noch heute ein Augenschmaus. Wer etwas Geduld mitbringt und keine Geschichte im eigentlichen Sinne erwartet, dürfte von diesem anspruchsvollen Meisterwerk überwältigt werden.

Deutliche Spuren hat Kubricks meditativer Ansatz unter anderem in James Grays „Ad Astra – Zu den Sternen“ (2019) hinterlassen, in dem ein unterkühlter Astronaut in Richtung Neptun aufbricht, um nach seinem verschollenen Vater zu suchen. Auch wenn die emotionale Reise des Protagonisten etwas konventionell daherkommt und seine fortlaufenden inneren Monologe mitunter ein wenig banal klingen, entwickelt der auf knallige Actioneinlagen größtenteils verzichtenden Film dank Brad Pitts zurückgenommenem Spiel und der atemberaubenden Optik eine eigenwillige Kraft.

In der Jetztzeit, die von rasanten technischen Erneuerungen, großen Bedrohungen wie der Klimakrise und einem sozialen Auseinanderdriften gekennzeichnet ist, zeigt sich der Science-Fiction-Film sehr oft von seiner pessimistischen Seite. Die Fragen „Können wir unseren Planeten retten?“ und „Wird irgendwann ein Miteinander unmöglich sein?“ befeuern die Fantasie von Drehbuchautoren, Produzenten und Regisseuren und konfrontieren das Publikum immer häufiger mit sogenannten „Dystopien“. Geschichten, die eine finstere, von Katastrophen und Unrechtssystemen dominierte Zukunft entwerfen – und zuweilen das Verlassen der Erde erforderlich machen. Dass dystopische Stoffe, wie beispielsweise die auf einem Romanzyklus basierende Filmreihe „Die Tribute von Panem“ (2012-2015), weltweit Erfolge feiern, zeigt vor allem eines: Grimmige Zukunftsgeschichten stehen hoch im Kurs. Ob dieser Trend auch weiter anhält, ist eine spannende Frage. Zumindest scheint die Corona-Pandemie das Interesse speziell an den düsteren und beunruhigenden Werken des Science-Fiction-Genres verstärkt zu haben. Offenbar trafen die Langeweile des Lockdowns und ein Bedürfnis nach Widerspiegelung aktueller Erfahrungen und Empfindungen durch Filme zusammen.

Christopher Diekhaus